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Jordanien ist ein junges Land mit alter Geschichte
und zugleich eine viel bereiste Brücke zwischen Meer und Wüste.
In jordanischer Erde verbergen sich ungeahnte Kulturschätze,
darunter bezaubernd schöne Mosaike aus der Zeit der Römer, der
Byzantiner und der frühislamischen Periode. |
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| Mosaiklandkarte
des heiligen Landes. Foto: FVA Jordanien |
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Folgt man von der jordanischen Hauptstadt Amman aus der alten
Königsstraße nach Süden erreicht man nach einer etwa halbstündigen
Fahrt die Kleinstadt Madaba. Über die Grenzen Jordaniens hinaus
ist Madaba als "Stadt der Mosaike" bekannt. Die meisten dieser
lange verschütteten und deshalb oft erstaunlich gut erhaltenen
Meisterwerke sind über 1400 Jahre alt. Madaba selbst ist seit
rund 4500 Jahren bewohnt. Schon im Alten Testament wird die
Stadt Medeba im Reich der Moabiter erwähnt (4. Buch Moses
21, 30 und Josua 13, 9-16). Auch auf der berühmten Moabiter
Stele, die 850 v. Chr. vom Moabiterkönig Mesha errichtet wurde,
um seine zahllosen Siege zu feiern, erscheint der Name der
Stadt. Nach moabitischer und nabatäischer Herrschaft wurde
Madaba zur Zeit Kaiser Trajans 106 n. Chr. Teil der römischen
Provinz Arabia.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. verbreitete sich die christliche
Religion schnell in Arabia und nach einer Zeit der Verfolgung
wurde ab dem 4. Jahrhundert n. Chr. das Christentum die vorherrschende
Religion im römischen Reich. Im 5. Jahrhundert wurde Madaba
sogar Bischofssitz und zahlreiche Kirchen wurden im 6. und
7. Jahrhundert n. Chr. erbaut. Seiner religiösen und politischen
Bedeutung angemessen wurde Madaba schon seit dem 4. Jahrhundert
n. Chr. Ziel von Besuchern und Pilgern aus aller Welt. Nicht
zuletzt wegen des nahegelegenen Berg Nebo, von dem Moses das
gelobte Land erblickte, und aufgrund der Nähe zu Bethanien
östlich des Jordans, der Wirkungsstätte von Johannes dem Täufer
und dem Ort der Taufe Jesu, war Madaba ein Zentrum des christlichen
Glaubens. |
Heute ist Madaba besonders für seine wunderbare byzantinische
Mosaiklandkarte aus dem 6. Jahrhundert n. Chr., die das gesamte
Heilige Land mit Jerusalem als Mittelpunkt sowie zahlreiche
Szenen aus dem Alten und Neuen Testament zeigt, bekannt. Die
Landkarte wurde 1896 entdeckt. Sie hatte ehemals eine Größe
von 25 mal 5 Metern und wurde aus zwei Millionen Mosaiksteinen
gelegt. Noch heute schmückt sie den Fußboden der St. Georgs
Kirche der griechisch-orthodoxen Gemeinde Madabas.
Die Mosaiklandkarte ist Madabas bekanntester Schatz aber bei
weitem nicht der einzige. Nur einen fünfminütigen Spaziergang
von der St. Georgs Kirche entfernt liegt der Madaba Archaeological
Park im Zentrum der Stadt. Beeindruckende Kirchen- und Hausmosaike
aus der späten byzantinischen Epoche und der frühen islamischen
Periode können im Park bequem von Pilgern, Gelehrten und Touristen
besucht werden. |
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| Mosaiklandkarte
des heiligen Landes. Foto: FVA Jordanien |
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Das bisher älteste in Jordanien gefundene Mosaik wird hier
ausgestellt. Es stammt aus den Bädern des Herodes-Palastes
von Mukawir (weiter südlich an der Königsstraße gelegen) und
wurde im 1. Jahrhundert vor Christus erschaffen.
Weitere bedeutende Mosaike im Park stammen aus der Kirche
der Jungfrau und aus den Hippolytus-Hallen, einem reichen
byzantinischen Privathaus. Weitere Höhepunkte sind die Mosaike
in dem 1985 entdeckten sogenannten ausgebrannten Palast, einem
weiteren Wohnhaus aus byzantinischer Zeit, in der Kirche der
Sunna Familie und in der Märtyrerkirche. Der gesamte Park
ist bis auf die Kirche der Jungfrau und die Hippolytus-Hallen
nicht überdacht.
Der Madaba Archaeological Park wurde als eine stille Oase
alter Kultur und Kunst im Zentrum einer modernen jordanischen
Stadt konzipiert. Der Park umschließt Kirchen und Gebäude
aus dem 5. bis 7. Jahrhundert n. Chr., die die alte Kolonnadenstraße
des römischen Madaba flankierten. Das umgrenzte Gebiet erlaubt
den Besuchern in Ruhe auf den antiken Straßen zu spazieren
und Mosaike an ihren ursprünglichen Plätzen mitsamt anderen
Mosaiken, die in der Nähe Madabas ausgegraben wurden und nun
an den Mauern des Parks hängen, zu entdecken.
Weitere Ausgrabungen im südlichen Madaba führten zur Entdeckung
der Kathedrale, der Kirche des Heiligen Theodorus, der Apostelkirche,
der Jahreszeiten-Villa, der Archilles-Villa, der Villa der
Bacchusprozession, der Paradies-Villa und der Kapelle der
Twal-Familie. Die meist blumigen Namen der archäologischen
Stätten leiten sich von den dort gefundenen farbenprächtigen
Mosaiken her, die jetzt im Madaba Archaeological Museum ausgestellt
werden.
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| Mosaikboden
in Mabada. Foto: FVA Jordanien |
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1806 besuchte der deutsche Forscher Ulrich Jasper Seetzen,
der die Ruinen der römischen Dekapolisstadt Jerash entdeckte,
Madaba. Einige Jahre später folgte ihm Johann Ludwig Burckhardt,
der Entdecker Petras. Madaba wurde als archäologisch interessant
angesehen, Ausgrabungen wurden aber keine vorgenommen. Erst
mit der Bekanntgabe der Entdeckung der Mosaiklandkarte des
Heiligen Landes im Jahre 1897 begannen Archäologen aus aller
Welt mit den Grabungen in Madaba.
Wirklich systematische Ausgrabungen und Restaurationen begannen
in Madaba in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Zuletzt
war es in erster Linie das Franciscan Biblical Institut in
Jordan, das in den letzten 25 Jahren unter der Leitung von
Dr. Michele Piccirillo und in Kooperation mit der jordanischen
Behörde für Antiquitäten, Ausgrabungen fortführte. Der Madaba
Archaeological Park ist dabei Teil eines größeren Projektes,
dessen Ziel es ist, Madabas archäologische Schätze zu sichern,
auszustellen und gleichzeitig Fachwissen über das Mosaikkunsthandwerk
in Jordanien zu fördern. So wurde 1992 in Madaba eine Mosaikschule
eröffnet, die junge Frauen und Männer in der Handwerkskunst
ausbildet. Viele Absolventen der Schule haben bereits dazu
beigetragen, daß das einzigartige Kulturerbe der Stadt und
der Region bewahrt werden konnte.
Neben den Mosaiken verfügt Madaba über die freundliche Atmosphäre
einer Kleinstadt. Viele Restaurants, einige sind in originale
Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert integriert, Handwerksstätten,
Souvenir- und Buchläden und einige kleine Hotels und Motels
laden zu kurzen und längeren Aufenthalten in der Stadt der
Mosaike ein.
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